Holz für den Dachstuhl: Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz und Leimbinder im Vergleich

Wer im Waldviertel einen neuen Dachstuhl plant oder einen alten ersetzen lässt, spricht meist zuerst über Dachform und Konstruktion. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, aus welchem Holz der Dachstuhl gefertigt wird. Holz für den Dachstuhl im Waldviertel muss mit hohen Schneelasten, starken Temperaturwechseln und bei Hof- und Nebengebäuden oft mit großen Spannweiten zurechtkommen. Ob sägeraues Bauholz, Konstruktionsvollholz (KVH), Brettschichtholz oder Leimbinder zum Einsatz kommen, entscheidet über Maßhaltigkeit, Rissbildung, mögliche Spannweiten und den Ablauf auf der Baustelle. In diesem Ratgeber erfahren Sie, worin sich die Holzprodukte unterscheiden, warum die Holzfeuchte so viel ausmacht und wie Baumeister, Zimmerer und Dachdecker bei der Mauerbank zusammenarbeiten.
Welche Holzprodukte für den Dachstuhl in Frage kommen
Für die tragenden Teile eines Dachstuhls, also Sparren, Pfetten, Kehlbalken, Stuhlsäulen, Streben und die Mauerbank, werden heute vor allem vier Produktgruppen verwendet. Welche Konstruktion zu Ihrem Haus passt, beschreiben wir im Ratgeber Dachstuhl vom Zimmerer im Waldviertel. Hier geht es um das Material, aus dem diese Konstruktion entsteht.
- Bauholz, sägerau: Vollholz, das direkt aus dem Stamm auf Maß geschnitten wird. Es ist meist nur luftgetrocknet oder kommt frisch auf die Baustelle.
- Konstruktionsvollholz (KVH): Vollholz, das technisch getrocknet, nach Festigkeit sortiert, von groben Fehlstellen befreit und durch Keilzinkung auf Länge gebracht wird.
- Duo- und Triobalken: zwei oder drei Vollholzlamellen, die flächig miteinander verklebt sind. Sie liegen zwischen KVH und Brettschichtholz.
- Brettschichtholz (BSH), umgangssprachlich Leimbinder: aus vielen dünnen, getrockneten Brettlamellen verklebte Träger für große Querschnitte und lange Spannweiten.
Als Holzart ist in Österreich Fichte der Standard, daneben kommen Tanne, Kiefer und für bewitterte Teile auch Lärche zum Einsatz. Entscheidend für die Tragfähigkeit ist aber weniger die Holzart als die Sortierung, die Festigkeitsklasse und der Feuchtegehalt beim Einbau.
Bauholz sägerau: der klassische Weg
Sägeraues Bauholz ist das Material, aus dem die meisten älteren Dachstühle im Waldviertel bestehen. Es wird nach einer Holzliste in fast jeder Abmessung geschnitten, auch in Überlängen und kräftigen Querschnitten, wie sie für Firstpfetten oder Mittelpfetten gebraucht werden. In der Anschaffung ist es meist die preiswerteste Variante.
Der Nachteil liegt in der Holzfeuchte. Frisch geschnittenes oder nur kurz gelagertes Holz enthält deutlich mehr Wasser, als es später im fertigen Dach behält. Es trocknet nach dem Einbau weiter aus, schwindet dabei quer zur Faser und kann sich verdrehen oder Risse bilden. Bei einem Dachboden, der unbeheizt bleibt, oder bei einem Nebengebäude ist das oft unproblematisch. Bei einem Dachgeschoß, das ausgebaut und verkleidet wird, zeigen sich die Bewegungen dagegen später als Fugen und Risse in der Innenverkleidung.
Konstruktionsvollholz (KVH): technisch getrocknet und maßhaltig
Konstruktionsvollholz wird in der Trockenkammer auf eine Holzfeuchte von rund 15 Prozent getrocknet, nach Festigkeit sortiert und an den Fehlstellen ausgekappt. Die Stücke werden anschließend durch Keilzinkung zu langen, geraden Stäben verbunden und egalisiert oder gehobelt. Für tragende Bauteile im Dach ist die Festigkeitsklasse C24 üblich. Unterschieden wird zwischen Sichtqualität, wenn das Holz später sichtbar bleibt, und Nichtsichtqualität für verkleidete Bauteile.
Der große Vorteil ist die Maßhaltigkeit: Weil das Holz schon trocken eingesetzt wird, arbeitet es nach dem Einbau nur noch wenig. Für ausgebaute Dachgeschoße mit Dämmung zwischen den Sparren und einer Innenverkleidung ist KVH deshalb heute die gängige Wahl. Gängige Querschnitte sind in der Regel kurzfristig verfügbar, Sondermaße brauchen mehr Vorlauf. Wer einen Sparren in Sichtqualität möchte, etwa bei einem offenen Dachraum, fragt am besten gleich nach Duo- oder Triobalken. Sie sind durch die verklebten Lamellen besonders formstabil und neigen kaum zu Schwindrissen.
Brettschichtholz und Leimbinder: für große Spannweiten
Brettschichtholz besteht aus mehreren, meist rund 40 Millimeter dicken Brettlamellen, die faserparallel miteinander verklebt werden. So entstehen Träger mit großen Höhen und Längen, wie sie aus einem einzelnen Stamm nicht zu gewinnen wären, auch gekrümmte Formen sind möglich. Üblich sind Festigkeitsklassen wie GL24h oder GL28h. Der Begriff Leimbinder meint dasselbe Material, er hat sich vor allem für Träger in Hallen und Hofgebäuden eingebürgert.
Im Wohnhausdach kommt Brettschichtholz dort zum Einsatz, wo eine Pfette ohne Zwischenstütze weit spannen soll, etwa bei einem offenen Dachraum ohne Stuhlsäulen, oder wo große Öffnungen für Gauben und Fenster überbrückt werden. Bei landwirtschaftlichen Gebäuden, Maschinenhallen und Lagerhallen sind Leimbinder oft die tragende Hauptkonstruktion. Mehr dazu lesen Sie in unseren Ratgebern zur Lagerhalle und zum Hofgebäude in Holz und zu Kosten, Bauweisen und Ablauf einer Lagerhalle. Der Materialpreis je Kubikmeter liegt über dem von Vollholz. Das relativiert sich oft, weil weniger Stützen, Kopfbänder und Verbindungen nötig sind und die Montage mit dem Kran schneller geht.
Holzfeuchte: warum sie über Schwund und Risse entscheidet
Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und gibt sie wieder ab. Dabei verändert es sein Maß, und zwar quer zur Faser deutlich stärker als in Faserrichtung. Ein Sparren, der zu nass eingesetzt wird, wird in der Höhe und Breite schmäler, sobald das beheizte Dachgeschoß ihn austrocknet. In einem beheizten Dachraum stellt sich mit der Zeit eine Holzfeuchte deutlich unter 15 Prozent ein. Der Unterschied zum Einbauzustand bestimmt, wie stark das Holz noch schwindet.
Die Folgen von zu feuchtem Holz sind typisch: Schwindrisse an den Balken, Fugen in der Gipskartonverkleidung, gelockerte Verbindungen und knarrende Bauteile. Dazu kommt der Holzschutz: Holzzerstörende Pilze brauchen eine dauerhaft erhöhte Holzfeuchte. Trocken eingesetztes und trocken gehaltenes Holz entzieht ihnen die Grundlage. Lassen Sie sich deshalb sagen, mit welcher Holzfeuchte das Material geliefert wird. Ein Zimmerer kann sie auf der Baustelle mit einem Messgerät prüfen, bevor abgebunden wird.
Festigkeitsklasse und Statik: welche Querschnitte Ihr Dach braucht
Welcher Querschnitt ein Sparren oder eine Pfette haben muss, ergibt sich aus der Statik. Grundlage dafür sind die Eurocodes für den Holzbau samt österreichischem Anhang sowie die Schneelastnorm. Gerade im Waldviertel spielt die Schneelast eine große Rolle: Je nach Seehöhe und Lage des Bauplatzes sind die anzusetzenden Lasten deutlich höher als in der Wachau oder im Donautal. Dazu kommen Dachneigung, Eindeckung und Spannweite, die wir im Ratgeber zu Satteldach, Pultdach und Flachdach erklären.
Die Festigkeitsklasse gibt an, welche Spannungen das Holz aufnehmen darf. Ein Querschnitt, der in C24 ausreicht, kann in einer niedrigeren Klasse zu schwach sein. Deshalb gehört zur Holzliste immer die Festigkeitsklasse, und das gelieferte Holz muss entsprechend gekennzeichnet sein. Brettschichtholz erlaubt bei gleicher Höhe höhere Lasten oder größere Spannweiten, weil Fehlstellen in den einzelnen Lamellen durch den verklebten Aufbau verteilt werden.
Mauerbank und Verankerung: wo Baumeister und Zimmerer zusammenarbeiten
Die Mauerbank ist das liegende Holz auf der Mauerkrone, auf dem die Sparrenfüße aufliegen. Sie verteilt die Lasten aus dem Dach auf das Mauerwerk und muss gegen Verschieben und gegen Abheben durch Windsog gesichert sein. Das geschieht mit Ankern oder Gewindestangen, die im Ringanker oder Rost aus Stahlbeton sitzen. Zwischen Beton und Holz kommt eine Sperrbahn, damit keine Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk ins Holz zieht.
Genau hier treffen die Gewerke aufeinander. Der Baumeister errichtet Mauerwerk und Ringanker und setzt die Anker an den Stellen, die der Zimmerer für die Sparrenlage braucht. Stimmen Höhe und Ebenheit der Mauerkrone nicht, muss der Zimmerer nachträglich ausgleichen. Danach folgen Abbund und Aufstellen des Dachstuhls durch die Zimmerei und schließlich die Eindeckung durch die Dachdeckerei. Die Franz Schütz GesmbH führt Hochbau und Tiefbau, Zimmerei und Dachdeckerei selbst aus. Mauerbank, Abbund und Eindeckung liegen damit in einer Verantwortung, und die Abstimmung zwischen den Gewerken passiert im eigenen Betrieb. Wer welchen Teil am Dach übernimmt, lesen Sie im Ratgeber Dachdecker oder Zimmerer.
Holzschutz: konstruktiv vor chemisch
Der Holzschutz im Hochbau ist in Österreich in der ÖNORM B 3802 geregelt. Ihr Grundsatz lautet: Zuerst kommen konstruktive Maßnahmen. Dazu gehört, trockenes Holz einzusetzen, Wasser durch die Eindeckung und saubere Anschlüsse fernzuhalten, Bauteile so zu planen, dass sie abtrocknen können, und Holz nicht direkt auf feuchtes Mauerwerk zu legen. Chemischer Holzschutz ist nur dort vorgesehen, wo diese Maßnahmen allein nicht ausreichen.
Für einen Dachstuhl aus technisch getrocknetem Holz in einem trockenen, kontrollierbaren Dachraum kann der chemische Holzschutz nach der Norm unter bestimmten Bedingungen entfallen. Welche Gebrauchsklasse für Ihr Dach gilt und welche Maßnahmen daraus folgen, klären wir gemeinsam mit Ihnen in der Planung.
Häufige Fragen zum Holz für den Dachstuhl
Ist Konstruktionsvollholz immer besser als sägeraues Bauholz?
Nein. KVH ist die richtige Wahl, wenn das Dachgeschoß ausgebaut und verkleidet wird oder das Holz sichtbar bleiben soll. Für einen unbeheizten Dachboden, ein Nebengebäude oder Bauteile mit Sonderquerschnitten kann gut gelagertes Bauholz ausreichen. Entscheidend ist, dass Holzfeuchte, Festigkeitsklasse und Nutzung zusammenpassen.
Was ist der Unterschied zwischen Brettschichtholz und Leimbinder?
Es gibt keinen. Leimbinder ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Träger aus Brettschichtholz. Gemeint sind in beiden Fällen Träger aus mehreren verklebten Brettlamellen.
Kann ich das Holz für meinen Dachstuhl selbst besorgen?
Möglich ist es, aber selten sinnvoll. Die Holzliste ergibt sich aus der Statik und dem Abbundplan, und das Material muss die geforderte Festigkeitsklasse und Holzfeuchte nachweislich erfüllen. Üblicherweise ist das Holz deshalb Teil des Zimmererauftrags. So liegen Material, Abbund und Ausführung in einer Hand, und bei Fragen zur Qualität gibt es einen Ansprechpartner.
Muss bei einer Dachsanierung das alte Holz ausgetauscht werden?
Nicht automatisch. Viele alte Dachstühle im Waldviertel sind tragfähig und können bleiben. Ausgetauscht oder verstärkt werden Teile mit Fäulnis, Schädlingsbefall, starker Durchbiegung oder zu schwachen Querschnitten für eine neue, schwerere Eindeckung. Wie eine Sanierung abläuft, lesen Sie im Ratgeber zur Dachsanierung: Ablauf, Dauer und Kosten.
Fazit: das passende Holz für Ihren Dachstuhl
Das richtige Holz für den Dachstuhl hängt von der Nutzung des Dachraums, der Spannweite und den Lasten am Standort ab. Sägeraues Bauholz eignet sich für einfache, unbeheizte Dächer, Konstruktionsvollholz ist der Standard für ausgebaute Dachgeschoße, und Brettschichtholz bzw. Leimbinder spielen ihre Stärken bei großen Spannweiten und Hallen aus. In jedem Fall zählen die Holzfeuchte beim Einbau, die richtige Festigkeitsklasse und eine sauber verankerte Mauerbank. Die Franz Schütz GesmbH plant und errichtet Dachstühle im Waldviertel, in der Wachau und rund um Krems und verbindet dabei Hochbau, Tiefbau, Zimmerei und Dachdeckerei in einem Betrieb. Schildern Sie uns Ihr Vorhaben über die Projektanfrage, wir beraten Sie gerne zum passenden Holz für Ihr Dach.